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Schredderaktion betraf Quelle mit Kontakten zum Thüringer Heimatschutz und zu NSU-Unterstützern

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(LNP) Nach Berichten der ARD, wonach ein Thüringer Neonazi mit Kontakten zur militanten wie rechtsterroristischen Szene hinter der durch das Bundesamt für Verfassungsschutz vernichteten V-Mann-Akte Tarif steckt, äußern sich die Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses Martina Renner und Katharina König.

„Der Umstand der gezielten Vernichtung der Akte Michael See alias Tarif sieht unter den aktuellen Umständen nach einer gezielten Vertuschungsaktion aus. Dies umso mehr, da er im Gegensatz zu den anderen betroffenen V-Leuten offenkundig nicht über die Aktion Rennsteig geworben wurde. Tarif hatte eine bundesweite Bedeutung in der extrem nazistischen Szene, die sowohl mit Mitteln der Gewalt aber auch durch Terrorakte ihre menschenverachtende Ideologie zum Ausdruck brachte“, erläutert König. Michael See war über viele Jahre als äußerst gut vernetzter und gefährlicher Neonazi in Thüringen aktiv. Bereits in den frühen 90er Jahren setzte sich der wegen versuchten Totschlags Vorbestrafte an die Spitze der Kameradschaft Leinefelde und leitete deren Wehrsportgruppe. Belegt sind vielfältige Kontakte zum Thüringer Heimatschutz. Nicht nur mit Tino Brandt und André Kapke pflegte er engen Austausch. Bereits Mitte der 90er Jahre unterhielt er diverse Kontakte zu Neonazi-Gruppierungen im Ausland und zu führenden Kadern der verbotenen FAP, HNG sowie zu Neonazis mit Erfahrungen im Söldnerdienst. Eine seiner Publikationen, der extrem nazistische „Sonnenbanner“, fand sich in den Unterlagen von Mundlos, die in der Bombenbastlergarage 1998 aufgefunden wurden.

„Es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass See auch die Mitglieder des NSU kannte“, so König. „Zu eng waren die Kontakte Sees zur Kameradschaft Jena, zu nah standen sie sich auch politisch, so sehr unterstützte Michael See das Konzept der Zellenbildung und den Gang in den Untergrund als wichtige Organisationsform der neonazistischen Bewegung in den 90er Jahren.“ Belegt seien darüber hinaus Kontakte zum Terrornetzwerk „Combat 18“, zu Blood&Honour und zu Personen, denen schwerste Straftaten, wie Terroranschläge, Wehrsport, Bombenbau und illegaler Waffenbesitz, zur Last gelegt wurden.

Martina Renner konstatiert: „Da aufgrund der absehbar langwierigen Regierungsbildung im Bund nicht mit einer zügigen Aufklärung durch den neuen Bundestag gerechnet werden kann, ist es in der Verantwortung des Thüringer Untersuchungsausschusses, alle Akten aus Berlin und anderen Bundesländern wie beispielsweise Niedersachsen zu Tarif anzufordern und mit der Vernehmung seiner V-Mann-Führer bzw. der Referatsleiter aber auch der Verantwortlichen für die Schredderaktion in 2011 zu klären, welche Rolle Michael See in der rechtsterroristischen Szene inne hatte und welche Beweggründe tatsächlich zur Vernichtung seiner Akte als V-Mann geführt haben.“

Pressesprecherin
Diana Glöckner
Tel.: 0361 – 377 2293
Fax: 0361 – 3772321
gloeckner@die-linke-thl.de

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