(LNP) Im Rahmen seiner diesjährigen Hochschultour hat der wissenschafts- und hochschulpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gerhard Besier, gestern die Hochschule für Musik und Theater (HMT) „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig besucht. Wichtiges Gesprächsthema war die Einführung von Studiengebühren für Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland. Da die mangelhafte Finanzierung der HMT durch den Freistaat Sachsen eine adäquate Bezahlung von Lehrbeauftragten nicht zulässt, sieht sich die Hochschule zu diesem Schritt gezwungen.
Besier befürchtet, dass die Attraktivität der HMT darunter so stark leiden wird, dass sie ihre Spitzenstellung verliert. „So geht Sachsen: Da sie die wenigen hunderttausend Euro, die zur Lösung des Problems an der HMT notwendig wären, nicht aufbringen will, ruiniert die Staatsregierung sehenden Auges eine der besten europäischen Musikhochschulen. Anscheinend respektiert das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die besonderen Erfordernisse des Lehrbetriebs an einer solchen Hochschule nicht, die in der Lage sein muss, nebenamtliche Lehrbeauftragte – Künstler, die anderweitig berufstätig sind und mit ihren Erfahrungen die Lehre befruchten – angemessen zu bezahlen. Das sollen nun die Studierenden schultern.“
Erhielten die Lehrbeauftragten keine ausreichende Vergütung, stünden sie der HMT bald nicht mehr zur Verfügung – ein Verlust, der das bisherige Ausbildungskonzept infrage stellen würde. Eine weitere Folge, so befürchten die Studierendenvertreter an der HMT, werde eine Abwanderung der nicht aus der EU stammenden Studierenden an andere Musikhochschulen in der Bundesrepublik sein. Sie erklärten sich sogar dazu bereit, solidarische Studiengebühren für alle in Kauf zu nehmen, um ihren Studienkolleginnen und -kollegen aus dem Nicht-EU-Ausland die hohen Kosten zu ersparen.
Im Freistaat finde in den Bereichen Kunst und Musik, aber auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein schleichender Abbau statt, der diese Fächer in die Mittelmäßigkeit treiben werde, kritisierte Besier: „Daher wird Sachsen mittelfristig keinen Grund mehr haben, auf seine Hochschulen stolz zu sein“. Am kommenden Montag wird im Wissenschaftsausschuss des Landtages eine Anhörung zum SPD-Antrag „Prekäre Beschäftigungssituation von Lehrbeauftragten an Musik- und Kunsthochschulen überwinden“ (Drucksache 5/11489) stattfinden. Gleichzeitig mobilisiert die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) zu einer Demonstration vor dem Landtag. Besier solidarisiert sich mit den Studierenden: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Studierenden zum Protest aufrufen. Die Staatsregierung muss die HMT schnell unterstützen, um die Studiengebühren doch noch abzuwenden.“
Marcel Braumann
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag
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