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Kriminologie: So sicher fühlen sich die Bürger einer Großstadt

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(landesnachrichtenportal) Kriminologie: So sicher fühlen sich die Bürger einer Großstadt. Wie viel Angst Großstadtbewohner vor Verbrechen haben und welche Maßnahmen sie zu ihrer eigenen Sicherheit ergreifen, zeigt eine Bochumer Langzeitstudie. Sie fördert das ein oder andere Paradoxon zutage. Über 40 Jahre hinweg haben Kriminologen der Ruhr-Universität Bürger der Stadt Bochum zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität und Polizei sowie zu ihren Ängsten befragt. Die Ergebnisse offenbaren eine wenig rationale Gefahreneinschätzung der Menschen und eine gestiegene Furcht vor Verbrechen.

Wenig rationale Gefahreneinschätzung
Im gesamten Befragungszeitraum von 1975 bis 2016 zeigte die Studie, dass Menschen sich am sichersten in ihrer eigenen Wohnung fühlen. „Dabei ist sie der unsicherste Ort überhaupt“, sagt Prof. Dr. Thomas Feltes, Leiter des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Die Hauptgefahren sind häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch und vor allem Unfälle.

Ein weiteres Phänomen bestätigte sich ebenfalls zu allen vier Befragungszeitpunkten: Viel mehr Menschen gehen davon aus, eine Straftat zu erleiden, als tatsächlich Opfer werden. Bei der Umfrage im Jahr 2016 gaben zum Beispiel 19 Prozent an, dass sie fürchten, im kommenden Jahr beraubt zu werden. Tatsächlich wurden laut eigenen Angaben aber nur 0,3 Prozent im vergangenen Jahr Opfer einer solchen Straftat.

Gestiegene Verbrechensfurcht
Ein Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage 2016 schätzte, dass die Kriminalität bundesweit sowie in der eigenen Wohngegend in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. Rund 70 Prozent vermuten etwa, dass Einbrüche in ihrem Viertel häufiger geworden seien; 1998 sagten das nur 35 Prozent. Auffällig in den Daten war auch, dass Menschen vermehrt Maßnahmen ergreifen, um sich und ihr Eigentum zu schützen.

Deutsche sind besonders ängstlich
Prinzipiell ist die Kriminalität in Deutschland im Vergleich zu 1998 allerdings um knapp zwei Prozent gesunken. Thomas Feltes vermutet, dass die Bevölkerung generell verunsichert ist – durch Terrorismus, Globalisierung, Sozialsysteme, die zunehmend als unsicher wahrgenommen werden, und ein vom Zerfall bedrohtes Europa. Diese wenig greifbaren Ängste könnten sich in einer gestiegenen Verbrechensfurcht äußern.

Hinzu kommt laut Feltes, dass Deutsche im internationalen Vergleich stets hohe Werte bei der Verbrechensfurcht erzielen. „Die German Angst ist weithin bekannt“, sagt der Kriminologe, „obwohl es noch nie so sicher war, in Deutschland zu leben, wie jetzt – sowohl regional als auch historisch betrachtet.“

Über die Studie
Für die Studie „Kriminalitätsphänomene im Langzeitvergleich am Beispiel einer deutschen Großstadt“ befragten Forscher einen Teil der Bochumer Bürgerinnen und Bürger in den Jahren 1975, 1986, 1998 und 2016. Für die aktuelle Umfrage wurden 3.500 zufällig ausgewählte Einwohner angeschrieben; 732 von ihnen machten mit.

Ausführlicher Beitrag im Wissenschaftsmagazin Rubin
Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie in einem ausführlichen Beitrag im Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhr-Universität Bochum unter news.rub.de/kriminalitaet-bochum-2016. Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden.

Pressekontakt
Prof. Dr. Thomas Feltes
Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft Juristische Fakultät Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 28245
E-Mail: thomas.feltes@rub.de

Angeklickt
Zusammenfassung der Studienergebnisse in Textform http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/index.php/de/
Zusammenfassung der Studienergebnisse in grafischer Form http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/images/stories/Pr%C3%A4sentation_Presse_August_2016_finale_Version.pdf

Dr. Julia Weiler
Ruhr-Universität Bochum (RUB)
Dezernat Hochschulkommunikation
Wissenschaftskommunikation
Tel: +49 (0)234/32-25228
Gebäude: UV 0/40
Universitätsstr. 150, 44801 Bochum
julia.weiler@uv.rub.de
www.uv.rub.de/dezernat8

Quelle: Pressemitteilung Ruhr-Universität Bochum vom 23.08.2016.

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